Lucy Fleming – Mina und der Trau-dich-Zauber

Ich will nicht fort
an einen fremden Ort.
Dieser Baum ist mein Heim.
Genau hier will ich sein!

Es ist Herbst. Die Laubblätter bereiten sich auf das Loslassen vor, packen ihre Sachen, um auf den Boden zu segeln und dort in einem Eichelhaus zu überwintern. Das Blättermädchen Mina ist jedoch unerschrocken gewillt, sich nicht von der Eiche und damit ihrem Heim zu trennen. Sie klammert sich an die Zweige und bleibt auch bei bitterkalten Temperaturen als allerletztes Blatt hängen.

Irgendwann fühlt sie sich einsam und allein und erkennt, dass das Zuhause nicht an einen Ort gebunden ist. Daheim ist da wo die Familie und die liebsten Menschen sind. Mit diesem tröstlichen Gedanken segelt sie sanft nach unten und lernt, dass jede Veränderung im Leben mit Mut einhergeht. Nicht selten sind Veränderungen im Leben sogar eine sehr gute Entscheidungswahl, auch wenn sie einem zuvor Angst gemacht haben.

Diese fabelhafte Inszenierung von den Blättermenschen ist ein Genuss für das ästhetische Auge. Der Vater trägt einen Eichelhut und die Mutter ist in ein schickes Eichenblatt gehüllt. Dieses Bilderbuch bietet eine Sichtweise auf die Jahreszeit Herbst aus der Perspektive von Blättern. Für sie gilt es ihr Zuhause zu verlassen und Abschied zu nehmen. Nach dem Lesen wird man sicherlich einigen Laubblättern, die noch am Ast ausharren ganz anders begegnen.

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Elisabeth Steinkellner und Michael Roher – Ein Rucksack voller Sand

Paula träumt vom Reisen. Wie gern würde sie in den Dschungel, die Wüste sehen, auf den höchsten Berg der Welt oder einfach nur am Strand sitzen und das Meer schmecken. Paula hat das Fernweh gepackt. Doch ihre Eltern sind übervorsichtig und machen sich große Sorgen. Sie warnen sie vor den Gefahren und dem drohenden Unheil. Als eines Tages ein Freund vor der Tür steht und frohen Mutes verkündet, dass er verreisen wird, schließt sich Paula ihm sofort an. Gemeinsam erleben sie auf ihrer Reise unvergessliche Abenteuer. Als Paula wieder nach Hause kommt, ist die Freude groß. Paulas Rucksack ist voll mit Sand, weil sie lauter Dinge mitgebracht hat, die man nicht sehen kann:

„Eine ordentliche Portion Geduld. Und haufenweise Fremdwörter. Eine große Ladung Mut. Und viele neue Freunde. Eine ganze Menge Farben, Gerüche und Geschmäcker. Und ein Meer an schönen Erinnerungen.

Dieses Bilderbuch habe ich bereits nach dem Betrachten der Titelseite ins Herz geschlossen. Jedes Detail ist so passend und stimmungsvoll gezeichnet, dass ich nicht umhin kam auf dieser Seite minutenlang zu verharren. Die Körpersprache des Mädchens, in der absolute Sehnsucht und Lebensfreude widerspiegelt. Die rosafarbenen Bäckchen, die auf die Aufregung und Vorfreude hindeuten und zu ihren Füßen die Wunder unserer Welt, die erkundet und entdeckt werden möchten.

Zu dieser Thematik habe ich eine ganz besondere Bindung, sodass ich es vortrefflich finde, wie einfühlsam Elisabeth Steinkellner die Besorgnis der Eltern schildert und die Sehnsucht des Mädchens endlich dem Alltag zu entfliehen, um mehr von der Welt zu sehen und einen Blück über den Tellerrand zu werfen.

Die in Collagentechnik gearbeiteten Illustrationen sagen ebenfalls das aus, was der Text unterschwellig andeutet. Paula ist anfangs durchsichtig und bekommt mit jedem Abenteuer einen Farbklecks auf ihrer Kleidung dazu. Jede Erfahrung macht uns reifer, klüger und eben bunter, interessanter. Die Farbgebung ist gediegen und ruhig. Lediglich die „Welt da draußen“ bekommt farbige Akzente und weitet sich im Verlauf der Geschichte weiter aus.

Die oben zitierten Mitbringsel deuten bereits an, wie wertvoll Reiseerfahrungen sein können und die Wörter sind überwältigend passend gewählt. Doch auch das Heimkommen ist schön und wird auf der letzten Seite augenzwinkernd unterstrichen.

Ein Bilderbuch, das voll ins Herz trifft.