Mac Barnett und Jon Klassen – Drei Ziegenböcke namens Zack

Der oft melancholisch angehauchte Illustrationsstil des kanadischen Künstlers Jon Klassen wird in diesem Bilderbuch noch durch die Komponente des Düsteren und Unheimlichen ergänzt. In erdigen und dunklen Farbtönen stellt er in minimalistischer und reduzierter Malweise einen gierigen Troll dar. Er wohnte unter der Brücke und verspeist so ziemlich alles, was sich über die Brücke wagt.

Ich bin ein Troll. Ich lebe, um zu fressen.
Ich habe hier schon viel zu lang gesessen.
Wann kommt ein Tier, wann kommt ein Mann,
in den ich meine Zähne schlagen kann?

Die Charakterisierung der Abneigung gegenüber dem Troll, der im Schlamm sitzt und seine Wartezeit mit dem Herauskratzen des Schmalzes aus dem Ohr verbringt, ist gelungen. Als die erste von den drei Ziegen die Brücke zu überqueren versucht, kann sie sich nur mit List retten. Schließlich wird der Troll von Gier gespeist und so verspricht sie ihm eine noch größere Beute, wenn er sie bloß gehen lassen möge.

Das norwegische Märchen ist gekonnt in Reimen übersetzt worden. So kann auch der gewisse Witz, der der Geschichte innewohnt, weiterhin seine Wirkung entfalten. Die Moral der Geschichte „niemals genug zu bekommen“, wird stets aktuell bleiben, solange es Menschen gibt. Nicht umsonst heißt es ja auch: „Bist du in deiner Gier gefangen, wirst du immer mehr verlangen.“ Wer ahnt schon, dass es mit dem Troll nicht gut ausgeht?

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Dave Eggers und Tucker Nichols – Wer hat die Brücke angemalt?

Rezension

Dave Eggers erzählt eine Geschichte über Einfallsreichtum, Mut, Inspiration, Willensstärke und Durchsetzungskraft. Auf insgesamt 104 Seiten erfährt der Leser den Entwicklungsprozess der weltbekannten Hängebrücke am Eingang zur Bucht von San Francisco, der Golden Gate Bridge. Der Umfang der Seiten macht es erfahrbar wie aufwendig und zeit- und nervenaufreibend der Prozess des Baus war. Es war eine enorme technische Herausforderung eine Hängebrücke in der Länge, bei dem tiefen Wasser und den starken Gezeitenströmungen zu bauen. Der Autor nimmt den Leser mit und zeigt in kunstvollen Scherenschnitt-Abbildungen wie Entwürfe verworfen und der Transport der Einzelteile bewerkstelligt wurde. Faszinierend ist ebenfalls die Beschreibung der Tauchvorgänge, um die Brückenfundamente in dem tiefen Wasser zu befestigen.

Der Widerstand, dem sich der Planer Joseph B. Strauss über all die Jahre hinweg aussetzen musste, wurde passend als eine Ansammlung von definierenden Köpfen verbildlicht, die sich ihm immer und immer wieder in den Weg stellten. Die Farbwahl stellt einen interessanten Aspekt dar. Auch hier gab es unterschiedliche Meinungen, wobei viele das typische „Grau“ oder „Schwarz“ bevorzugten. Das Bauingenieur-Team jedoch entschied sich für das „Knallorange“ der Rostschutzfarbe, weil sich die Brücke dadurch wunderbar in die Umgebung mit den grünen Hügeln und dem blauen Wasser einfügte.

Dieses besondere Buch ist eine Liebeserklärung an das Wahrzeichen Amerikas. Und wer hätte gedacht, dass aus einem Brücken-Bau eine so spannende und unterhaltsame Geschichte gezaubert werden kann? Außerdem ist sie wahr und lässt sich in Bezug auf die Verwirklichung seiner Träume im Leben übertragen werden.

Blick ins Buch

Fazit

Eine kunstvolle Erklärung an den Zauber der eigenen Willensstärke!

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